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Massentierhaltung – ein Eldorado für Krankheitserreger

Die Massentierhaltung, also eine Ansammlung von gleichartigen Wirtstieren auf engstem Raum, bietet Parasiten und Krankheitserregern geradezu paradiesische Lebensbedingungen. Schnell springen sie über von einem Tier auf das andere. Dicht zusammen gepfercht, häufig gestresst, verhaltensverändert und ihren natürlichen Lebensbedürfnissen beraubt, sind die Tiere anfällig für Störungen und haben den kleinen Angreifern nichts entgegenzusetzen. Eine der wirksamsten, evolutionär über Jahrmillionen erworbenen Waffen gegen Parasiten und Krankheitserreger ist die genetische Flexibilität. Unterschiedlich widerstandsfähige Individuen machen den Parasiten das Leben schwer. Doch Massentierhaltung hat dieses Schwert stumpf gemacht. Auf wenige Merkmale gezüchtete Hochleistungsnutztiere sind wie eine Monokultur. Diese einseitige Tierzucht führt dazu, dass der Genpool, also die Gesamtheit aller einer Tierart zur Verfügung stehenden Gene, reduziert wird. Eine Verringerung des Genpools macht Wirte jedoch empfänglicher für Infektions­krankheiten und reduziert somit deren „Fitness“. So ist es nicht verwunderlich, dass Tierseuchen vor allem in der Massentierhaltung auftreten. Unter solchen Bedingungen geht dann ohne aufwendigen Medikamenteneinsatz und modernste Tiermedizin gar nichts mehr.

Seuchenhaft auftretende Tierkrankheiten haben nicht nur einen wesentlichen Einfluss auf die Tiergesundheit, wenn sie sich schnell ausbreiten, Epidemien auslösen und wirtschaftliche Verluste verursachen. Sie können auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, wenn es sich um so genannte Zoonosen handelt. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, bei denen der Erreger vom Tier auf den Menschen übergeht, wie beispielsweise die Vogelgrippe, das West-Nil-Fieber, SARS, Toxoplasmose, das Q-Fieber und viele andere mehr.

Besonders das Q-Fieber macht in jüngster Zeit von sich reden. Das Q-Fieber (Balkangrippe, Krimfieber) ist eine meldepflichtige, weltweit vorkommende Zoonose, verursacht durch das Bakterium Coxiella burnetii, das von Rindern, Schafen oder Ziegen auf Menschen übertragen wird. Mögliche Folgen sind Lungenentzündungen und Entzündungen der Hirnhäute. Die Erkrankung kann auch chronisch werden und zu einer Leberentzündung (Hepatitis) oder einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) führen.

Die Übertragungswege des Q-Fiebers sind vielfach vernetzt. Der „Basiszyklus“ verläuft über Zecken. Weltweit kommen über 50 Zeckenarten als Überträger in Frage, in Deutschland ist es die Schafzecke, Dermacentor marginatus. Zwischen Zeckenlarven und -nymphen und Nagetieren bildet sich ein basaler Infektions­kreislauf aus. Die erwachsenen Zecken benötigen größere Wirtstiere und übertragen die Erreger dann auch auf Haustiere wie Schafe und Ziegen. Die Weiterverbreitung der Q-Fieber-Infektion erfolgt dann im Wesentlichen auf aerogenem Weg über Staub.

Infektionsquellen für Tier und Mensch können sein:

  1. Infektiöser Zeckenkot: Dermacentor-Zecken geben beim Saugen große Mengen an Kot ab, der - bei infizierten Zecken- enorme Mengen von sporenähnlichen Körperchen der Coxiellen enthalten kann.
     
  2. Infizierte Tiere: Bei Schafen und Ziegen kommt es durch die Coxiellen zu einer Infektion des Uterus, was zu Fehl- und Totgeburten führt. Fruchtwasser, Nachgeburten und Lochialflüssigkeiten enthalten massenhaft Erreger und sind extrem kontagiös; sie können bei direktem Kontakt etwa bei Tierhaltern und Tierärzten zur Infektion führen. Aber auch indirekter Kontakt wie etwa kontaminierte Spreu ist als hochgefährlich anzusehen. So kam es etwa auf einem Bauernmarkt in Soest über ein infiziertes Mutterschaf auf diesem indirekten Weg zur Infektion von über 300 Besuchern (RKI 2003).

Wie Dr. H. Neubauer (Direktor des Instituts für bakterielle Infektionen und Zoonosen, Friedrich-Loeffler-Institut, Standort Jena) in seinem Beitrag

„Naturschutz mit Nebenwirkungen: Q-Fieber auf dem Vormarsch“ 

siehe Pressemappe zum Download unter: http://www.zoonosen.net/NewsundPresse/tabid/1191/articleType/ArticleView/articleId/565/Default.aspx

berichtet, liegt die Rate an infizierten Personen in Regionen mit vermehrtem Schafbestand bei bis zu 18 Prozent. Weiter heißt es: „Bei den Infizierten handelt es sich nicht nur um Beschäftigte der Landwirtschaft, sondern beispielsweise auch um Spaziergänger, deren Weg an Weiden vorbeiführte. Die Untersuchungen des Forschungsverbundes Q-Fieber konnten nachweisen, dass der Erreger zwar nicht flächendeckend über Deutschland verteilt ist, aber dass er unerkannt in Herden vorkommen kann, die weder klinische Symptome noch andere Anzeichen der Infektion – vor allem eine auffallend hohe Abortrate – zeigen. Der Erreger des Q-Fiebers wird hauptsächlich durch das Einatmen infektiösen Staubes oder durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren übertragen. Eine besonders drastische Steigerung der Erkrankungszahlen ist derzeit in den Niederlanden zu beobachten: Dort sind derzeit 2.100 erkrankte Personen seit Anfang 2009 gemeldet. Fünf Menschen sind an der Erkrankung gestorben – im Vergleich zu zwei Schweine­grippe-Toten in den Niederlanden im gleichen Zeitraum.“

Besonders in den Niederlanden wird die Zunahme der menschlichen Infektionen mit den Massentierhaltungen in den Ziegenfabriken in Zusammenhang gebracht.

Die Intervet meldet unter „aktuelle Meldungen“ vom 10.11.2009 (siehe Link: http://www.intervet.de/news/aktuelle_meldungen.asp)

Niederlande: Fast jede vierte Ziegenherde könnte mit Q-Fieber infiziert sein

In den Niederlanden wird eine Zunahme der Fälle von Q-Fieber beim Menschen beobachtet. Dies lenkt vermehrt auch die Aufmerksamkeit auf die Tierarten, von denen der Erreger auf den Menschen übertragen werden kann. In diesem Jahr wurden offiziell bisher vier Ziegen haltende Betriebe in den Niederlanden als mit dem Erreger infiziert eingestuft. Allerdings basiert dies auf einer Methode, bei der der Betrieb als infiziert eingestuft wird, wenn die Zahl der Aborte mehr als fünf Prozent beträgt. Dem zuständigen Landwirtschaftsministerium sind aber weitere 41 Betriebe bekannt, in denen der Erreger - basierend auf Untersuchungen von Milchproben - vorkommt.

Der Tiergesundheitsdienst in Deventer geht sogar davon aus, dass bis zu 80 der 360 Ziegen haltenden Betriebe in den Niederlanden mit dem Erreger belastet sind - siehe Link: Vetsweb.com

Die niederländische Zeitung Trouw  berichtet 2009, dass Ziegenfarmen die mögliche Ursache für die große Anzahl von Infektionen mit Q-Fieber sind. Das Blatt schreibt weiter, dass auch Roel Coutinho, der Geschäftsführer der Abteilung Infektionskrankheiten beim RIVM vermutet, dass die große Zahl der Mega-Ziegenzuchtbetriebe, die sich vorwiegend in Brabant und Gelderland befinden, in ursächlichem Zusammenhang mit den vermehrten Infektionen beim Menschen stehen. Wie Trouw am 6. November 2009 berichtet, warnt der Arzt und Mikrobiologe Kees Verduijn Touristen davor, in die Nähe von Südost-Brabant zu kommen: „die Menschen haben das Recht zu wissen, welchen Gefahren sie sich aussetzen.“(siehe Link: http://www.trouw.nl/groen/nieuws/article2907402.ece/__Landelijk_inenten_tegen_Q-koorts_.html)

Angesichts der Berichte aus den Niederlanden und der Zunahme von Q-Fieber-Fällen auch in Deutschland ist die geplante industrielle Haltung von über 7000 Ziegen auf dem Heidbrink in Polle aus tierseuchenhygienischen Gründen sehr kritisch zu sehen. Die Ziegen von der Außenwelt in „sicheren“ Ställen wegzusperren ist nicht nur moralisch verwerflich. Es ist trügerisch anzunehmen, Krankheitskeime könnten dadurch aufgehalten werden. Die geplante Ziegenfabrik ist eher als ein riskantes Unternehmen anzusehen mit unabsehbaren Folgen für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung. Aber auch Touristen könnten gefährdet sein. Wer an der Weser spazieren geht oder den Weserradweg benutzt, der jährlich von bis zu 150.000 Radtouristen befahren wird und der mitten durch das Landschaftsschutzgebiet entlang des Heidbrinks führt, würde sich einem hohen Infektionsrisiko aussetzen. Erholungssuchende werden sich wenig angezogen fühlen von der realistischen Gefahr, sich beim Spaziergang oder auf der Radtour eine nicht ungefährliche Infektions­krankheit von ihrer Reise als kleines Andenken an ihren Aufenthalt in Polle mitzubringen.

Autorin: Dr. B. Bannert, Molekulare Parasitologie, Humboldt Universität Berlin

 

weitere Links:


Der kritische Agrarbericht 2007 (Link: http://www.kritischer-agrarbericht.de/index.php?id=232 ):

„Tierseuchen: Politik mit der Angst
Warum das Wegsperren der Tiere riskant ist und andere Strategien notwendig sind“

von Götz Schmidt (als pdf-Download: http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2007/Schmidt.pdf )

 


Informationen des Gesundheitsamtes des Landkreises Holzminden zum Q-Fieber

http://www.landkreis-holzminden.de/medien/suchergebnis.php?id=2080

 


Informationen des Robert Koch-Instituts zu Infektionskrankheiten

http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Q/QFieber/Q-Fieber.html

 


Massentierhaltung und Antibiotikaresistenzen

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/massentierhaltung-und-antibiotikaresistenzen

 

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